Montag, 8. April 2013

#23 An Niemanden



Hallo - ,

weißt du, als ich mir alte Briefe von dir durchgelesen habe, ist mir bewusst geworden wie sehr ich das alles vermisse. War ich diejenige, die aufgehört hat auf deine Briefe zu antworten? - Bestimmt, es war bestimmt meine Schuld. Es tut mir leid, das solltest du vorab wissen. In den Jahren ist so viel passiert, so viel was heute vergessen ist, so viel worüber niemand ein Wort verloren hat, so vieles was schlecht geredet und mit Vorwürfen beendet wurde. Findest du es nicht auch traurig? Es gibt so vieles was ich dir erzählen will, so vieles was ich dich Fragen möchte und auch so vieles was ich vergessen möchte. Während ich hier so sitze und die Buchstaben in die Tastatur tippe, geht mir eine Menge durch den Kopf. Meine Gedanken kreisen um alte Erinnerungen. Alte, längst vergessene Momente. Weißt du, ich hab ihn vor einigen Wochen das erste mal nach Jahren gesehen , meinen Vater, wie ich eigentlich sagen sollte. Du weißt noch nichts davon. - Ich konnte wirklich nicht darüber reden, es fiel mir schwer. Vergessen, ich habe ihn schon wieder vergessen, vielleicht auch verdrängt. Ich bin mir dessen nicht mehr ganz bewusst. Aber ich weiß das ich mir alte Zeiten zurück wünsche, in dem Wissen das es nie möglich sein wird. Ich würde gerne Geschehnisse ändern, Momente auskosten und in der Hoffnung sein, das es immer so bleiben kann. Was aber einmal geschehen ist, kann man nicht Rückgängig machen, mit keiner Tat und  keinem Wort der Welt. Ja, das weiß ich. Trotzdem verstehe ich noch immer nicht wie es so enden konnte, wie schnell man vergessen kann. Vielleicht sollte ich dir einfach mal wieder schreiben, dir sagen wie es mir geht, dich fragen wie es dir geht. Vielleicht sollte ich dir einen langen Brief schreiben um dir zu sagen das ich das alles vermisse, um dich zu fragen ob es dir genauso geht. Weißt du, es gibt so viele schöne Dinge die wir erlebt haben, so viele Gefühle die ich mit dir geteilt habe. Wir haben uns um einige Jahre von einander entfernt, sind uns auf eine Art fremd geworden. Ich bin mir aber sicher das diese Vertrautheit, die ich und die auch du gespürt hast, wieder aufleben kann. Deswegen schreibe ich dir diesen Brief, in dem ich nur ein Teil meiner Emotionen untergebracht habe. Ich hoffe aber genug um dir zu erklären wie es mir geht, was ich fühle, was ich vermisse. Es ist traurig was passiert ist, es ist traurig das ich so aufwachsen muss, aber ich weiß schon lange das ich damit leben muss. Aber weißt du was viel trauriger ist? - Das du diesen Brief wahrscheinlich niemals lesen wirst.

In Liebe, Lucy

Kommentare:

  1. Dein Brief erinnert mich daran, was man alles verpassen kann, wenn man sich nicht traut, etwas zu tun. Wenn man für etwas, das man liebt, keine Risiken eingeht. Das ist ein Thema, das mir oft durch den Kopf geht und dein Brief hat in mir diese Gedanken wiedererweckt. Danke dafür. Ich denke, dass das ziemlich wichtige Gedanken sind, die nicht einfach verloren gehen sollten.
    ♥, Dornröschen

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    1. Ja, du hast Recht. Ich denke darüber auch oft nach, hm.
      Vielen Dank für dein Feedback. c: ♥

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